Collagraphie ist ein moderner grafischer Ansatz, der Collage und Druck verbindet. In diesem Lexikonbeitrag erfährst du kompakt, was Collagraphie ist, wie du eine Druckplatte herstellst, welche Techniken möglich sind und worauf du achten solltest.
Was ist Collagraphie?
Collagraphie ist ein druckgraphisches Verfahren, bei dem eine Platte aus dem Zusammenfügen (Kleben) verschiedener Materialien entsteht und anschließend eingefärbt und auf Papier gedruckt wird.
Das Wort leitet sich aus dem Griechischen ab: kolla = Leim und graph = Zeichnung / Schreiben. Glen Alps prägte den Begriff in den 1950er Jahren und etablierte ihn in der Druckgrafik.
Im Unterschied zu klassischen Druckverfahren wird bei der Collagraphie Material hinzugefügt statt weggenommen. Die Druckplatte wird in der Höhe modelliert.
Materialien & Technik
Hier sind zu jedem Titel zwei bis drei Sätze im Fließtext, in deiner gewünschten du-Form:
Trägermaterial
Für die Grundplatte eignen sich Karton, stabiler Graukarton, Holz oder MDF, weil sie formstabil bleiben und auch bei stärkerem Druck nicht nachgeben. Je fester der Untergrund, desto gleichmäßiger verteilt sich später die Farbe beim Drucken. So bekommst du saubere, gut reproduzierbare Abzüge.
Strukturmaterialien
Mit Stoff, Garn, Papier, Blättern, Schleifpapier, Draht, Folien, Sand oder sogar etwas Reinigungspaste kannst du die Oberfläche lebendig gestalten. Diese Materialien erzeugen Höhen und Tiefen, die sich beim Drucken direkt auf das Papier übertragen. Je nachdem, wie fein oder grob du strukturierst, wirkt dein Druck später eher zart oder kräftig.
Bindemittel / Klebstoffe
Weißleim, Spachtelmasse oder Modellierpaste helfen dir dabei, die Strukturen sicher auf dem Träger zu befestigen. Sie lassen sich gut verteilen, trocknen zuverlässig und schrumpfen kaum, sodass deine Platte stabil bleibt. Gerade bei filigranen Details sorgt ein guter Kleber dafür, dass alles an seinem Platz bleibt.
Versiegelung
Eine Schutzschicht aus Shellac oder Lack macht die Oberfläche widerstandsfähiger und erleichtert dir das sanfte Abwischen der Farbe zwischen den Druckgängen. Die Platte nimmt dadurch weniger Feuchtigkeit auf und bleibt länger haltbar. Gleichzeitig lässt sich die Farbe besser kontrollieren.
Farben / Druckmittel
Öl- und Tiefdruckfarben eignen sich besonders gut, da sie satt decken und sich gleichmäßig in Vertiefungen oder Erhöhungen verteilen. Je nach Technik kannst du reine Reliefdrucke, intaglioähnliche Effekte oder eine Mischung aus beiden gestalten. Mischtechniken eröffnen dir zusätzlich viele Möglichkeiten für experimentelle Ergebnisse.
Werkzeuge
Mit Rollen, Pinseln, Tarlatan, Stofflappen oder einer kleinen Presse trägst du die Farbe gezielt auf und überträgst sie sauber aufs Papier. Wenn du keine Presse hast, funktionieren auch Handmethoden wie Reiben mit einem Löffel oder einem Falzbein. Eine Papierunterlage schützt deinen Arbeitsplatz und gibt dir mehr Ruhe beim Arbeiten.
Ablauf / Arbeitsschritte
- Skizze / Entwurf – plane, welche Strukturen du einsetzen möchtest und beachte die spätere Spiegelwirkung.
- Aufbau der Platte – Träger zuschneiden, Strukturen sorgfältig aufkleben, ggf. mit Modelliermasse arbeiten.
- Trocknung – vollständig trocknen lassen.
- Versiegeln / Schutzauftrag – um Haltbarkeit bei mehrfacher Nutzung zu gewährleisten.
- Ein- und Abfärbung – je nach Technik (Relief, Intaglio, kombiniert).
- Abdruck / Druck – mit Presse oder manuellen Methoden.
- Ausarbeitung / Trocknung – Druckblatt trocknen lassen, ggf. nachbearbeiten.
Varianten und Besonderheiten
Reiner Reliefdruck
Beim reinen Reliefdruck überträgt sich nur die Farbe, die auf den erhabenen Stellen deiner Platte liegt. Vertiefte Bereiche bleiben weiß, was einen klaren, grafischen Charakter erzeugt. Diese Technik eignet sich gut, wenn du starke Kontraste und deutliche Linien möchtest.
Intaglio-Druck
Beim Intaglio-Druck arbeitest du genau andersherum: Die Farbe bleibt in den Vertiefungen, während du die Oberfläche vorsichtig abwischst. Dadurch erscheinen die gedruckten Linien und Flächen feiner und oft etwas weicher. Diese Methode ermöglicht dir sehr detailreiche und tonale Ergebnisse.
Kombinierte Technik
Du kannst beide Verfahren miteinander verbinden und so besonders lebendige Drucke gestalten. Erhabene Strukturen sorgen für klare Akzente, während die Vertiefungen weiche Zwischentöne liefern. Dadurch entsteht ein vielschichtiges Bild mit deutlicher Tiefe.
Carborundum-Collagraphie
Bei dieser Variante arbeitest du mit Schleifmitteln wie Carborundum, die du in Kleber einstreust oder auf die Oberfläche aufträgst. Dadurch entstehen extrem feine Körnungen, die im Druck sanfte Tonstufen und eine besondere Haptik erzeugen. Die Technik eignet sich, wenn du stark strukturierte, atmosphärische Drucke gestalten willst.
Vor- und Nachteile im Überblick
| Vorteile | Nachteile / Herausforderungen |
|---|---|
| hohe Flexibilität in Materialwahl | Gefahr von Verformung oder Rissbildung bei zu großer Höhenvariation |
| relativ kostengünstig | empfindlich bei Feuchtigkeit, daher Versiegelung notwendig |
| große gestalterische Freiheit | beim Drucken mit Presse ggf. Höhenanpassung notwendig |
| ermöglicht texturreiche und einzigartige Drucke | mehr Erfahrung nötig, um gute Einfärbung und Abwicklung zu erreichen |
Weiterführende Quellen und Lesetipps
- Leeds Print Workshop – Collagraph-Process Handout (PDF) Leeds Print Workshop
- Handprinted: Collagraph Printing Handprinted
- ArtWeb: An Introduction to the Wonders of the Collagraph ArtWeb Blog
- Wikipedia (englisch): Collagraphy Wikipedia
- Anna Curtius: How to make a collagraph print in four steps Anna Curtius
Fazit
Collagraphie ist eine spannende Schnittstelle zwischen Collage und Druckgrafik. Sie erlaubt es, mit einfachen Mitteln – Karton, Stoff, Klebstoff – sehr ausdrucksstarke und strukturreiche Drucke zu erzeugen. Die Technik ist vielseitig: Du kannst rein reliefig drucken, tiefdruckähnlich arbeiten oder beides kombinieren. Wichtig sind eine stabile Basis, geeignete Materialien und sorgfältige Verarbeitung. Wenn du mit kleinen Experimenten beginnst, kannst du schnell eigene Motive realisieren und weiterentwickeln.
